Wer eine Lernplattform für das eigene Unternehmen sucht, trifft in Deutschland auf vier Gruppen von Anbietern: große Enterprise-Suiten wie SAP SuccessFactors Learning oder Cornerstone, spezialisierte LMS-Hersteller wie imc, Docebo, 360Learning oder TalentLMS, Open-Source-Systeme wie Moodle und ILIAS sowie Agenturen wie Thinkmedia, die Plattform, Inhalte und Betrieb gemeinsam liefern. Welche Lösung passt, hängt weniger vom Funktionsumfang ab als von drei Fragen: Wie viele Mitarbeitende sollen lernen, woher kommen die Inhalte, und wer betreibt das System im Alltag? Dieser Vergleich ordnet die wichtigsten Anbieter ein und zeigt, worauf HR, Geschäftsführung und Informationssicherheit bei der Auswahl achten sollten.
Kurz gesagt
- Enterprise-Suiten (SAP SuccessFactors Learning, Cornerstone) lohnen sich vor allem für Konzerne, die bereits ein HR-System dieses Herstellers einsetzen.
- Spezialisierte LMS-Hersteller (imc, Docebo, 360Learning, TalentLMS) bieten ausgereifte Software, liefern aber meist nur einen Teil der Inhalte, die Sie für Pflichtschulungen benötigen.
- Open Source (Moodle, ILIAS) spart Lizenzkosten, verlagert jedoch Hosting, Updates, Datenschutz und Support in Ihr Unternehmen oder zu einem Dienstleister.
- Komplettanbieter wie Thinkmedia verbinden Lernplattform, maßgeschneiderte E-Learnings, Erklärfilme und Betrieb aus einer Hand, mit einem zentralen Ansprechpartner.
- Vergleichen Sie nie nur Lizenzpreise, sondern die Gesamtkosten über drei bis fünf Jahre, inklusive Inhalten, Einführung, Pflege und interner Administration.
Inhaltsverzeichnis
- Vier Typen von Lernplattform-Anbietern
- Die wichtigsten Anbieter im Überblick
- Pflichtschulungen, Compliance und IT-Sicherheit: Was die Plattform leisten muss
- Mittelstand oder Konzern: Welche Plattform zu welcher Größe passt
- Kosten und Lizenzmodelle im Vergleich
- Datenschutz, NIS2 und ISO 27001: Was Sie prüfen sollten
- In sechs Schritten zum passenden Anbieter
- Unsere Sicht: Eine Plattform ist nur so gut wie ihre Inhalte
- Lernplattform und Schulungsinhalte von Thinkmedia
- Häufige Fragen
- Quellen
Vier Typen von Lernplattform-Anbietern
Der Markt wirkt unübersichtlich, weil unter dem Begriff „Lernplattform" sehr unterschiedliche Angebote zusammenlaufen. Ein Learning Management System (LMS) ist im Kern die Software, die Kurse bereitstellt, Teilnehmende verwaltet, Lernfortschritte erfasst und Nachweise erzeugt. Was darüber hinaus geliefert wird, unterscheidet die Anbieter deutlich.
- Enterprise-Suiten: Das LMS ist ein Modul innerhalb einer umfassenden HR-Software. Stärken sind die Integration in Personalprozesse, Talentmanagement und Rollenmodelle. Die Einführung ist in der Regel ein eigenes IT-Projekt.
- Spezialisierte LMS-Hersteller: Sie entwickeln ausschließlich Lernsoftware, meist als Cloud-Lösung (Software as a Service). Viele bieten Autorenwerkzeuge, Kursbibliotheken und KI-Funktionen. Individuelle Inhalte erstellen Sie selbst oder mit Partnern.
- Open-Source-Plattformen: Der Quellcode ist frei verfügbar, Lizenzgebühren fallen nicht an. Dafür brauchen Sie Know-how oder einen Dienstleister für Installation, Sicherheitsupdates, Anpassungen und Support.
- Komplettanbieter und E-Learning-Agenturen: Sie liefern die Plattform zusammen mit didaktisch aufbereiteten Inhalten, Videos, Hosting und Betreuung. Für Unternehmen ohne eigenes Learning-Team ist das oft der schnellste Weg zu funktionierenden digitalen Schulungsprozessen.
Welche Gruppe für Sie infrage kommt, klären Sie am besten, bevor Sie einzelne Produkte vergleichen. Eine ausführliche Checkliste finden Sie in unseren Auswahlkriterien für Lernplattformen.
Die wichtigsten Anbieter im Überblick
Die folgende Tabelle ordnet die Anbieter ein, die Entscheiderinnen und Entscheider in Deutschland am häufigsten auf ihrer Shortlist haben. Einige von ihnen wurden auch beim Deutschen Bildungs-Award prämiert: Zu den ausgezeichneten LMS-Anbietern 2024/2025 zählen unter anderem 360Learning, imc und Reteach.
| Anbieter | Typ | Stärke | Eignet sich besonders für | Inhalte inklusive |
|---|---|---|---|---|
| Thinkmedia | Komplettanbieter | Plattform, individuelle E-Learnings, Erklärfilme und Betrieb aus einer Hand | Mittelstand, Konzerne, Behörden mit Pflicht- und Fachschulungen | Ja, maßgeschneidert und als Online-Akademie |
| imc Learning Suite | Spezialisierter LMS-Hersteller | Umfangreiches Enterprise-LMS aus Deutschland | Große Organisationen mit komplexen Strukturen | Teilweise, über Content-Angebote |
| SAP SuccessFactors Learning | Enterprise-Suite | Tiefe Integration in SAP-HR | Konzerne mit SAP-Landschaft | Nein, Inhalte über Partner |
| Cornerstone | Enterprise-Suite | Talent- und Lernmanagement für sehr große Belegschaften | Internationale Konzerne | Über Kursbibliotheken |
| Docebo | Spezialisierter LMS-Hersteller | KI-Funktionen, externe Schulungen für Kunden und Partner | Internationale Unternehmen, Extended Enterprise | Über Bibliotheken und Partner |
| 360Learning | Spezialisierter LMS-Hersteller | Kollaboratives Lernen, Fachexperten erstellen Kurse selbst | Wissensintensive Teams, Mittelstand | Überwiegend eigene Inhalte |
| TalentLMS | Spezialisierter LMS-Hersteller | Schneller Start, einfache Bedienung | Kleine und mittlere Unternehmen | Kursbibliothek gegen Aufpreis |
| Moodle | Open Source | Frei verfügbar, große Community, viele Plugins | Organisationen mit eigener IT oder Dienstleister | Nein |
| ILIAS | Open Source | Verbreitet an Hochschulen und im öffentlichen Sektor | Öffentliche Einrichtungen, Bildungsträger | Nein |
Thinkmedia: Lernplattform und Inhalte aus einer Hand
Thinkmedia entwickelt seit über 20 Jahren digitale Lernlösungen für Unternehmen, Behörden und Hochschulen. Mehr als 900 Kunden und über 2.000 umgesetzte Projekte stehen hinter dem Angebot. Der Unterschied zu reinen Softwareherstellern: Thinkmedia liefert nicht nur das LMS, sondern auch die Inhalte, die darauf laufen. Das Team vereint Didaktik, Storytelling, Design, Filmproduktion, Animation und Softwareentwicklung. So entstehen interaktive E-Learnings, Erklärfilme, Lernplattformen und komplette Unternehmensakademien, die zentral verwaltet werden, mit Zertifikaten, Reporting und Anpassung an Ihr Corporate Design.
Für Standardthemen steht die Online-Akademie bereit, mit Kursen zu Datenschutz (DSGVO), IT-Sicherheit, Arbeitsschutz, Compliance, KI-Compliance, ESG und Nachhaltigkeit, Onboarding sowie Produkt- und Vertriebsschulung. KI-gestützte Inhaltserstellung beschleunigt Entwicklung und Aktualisierung, was bei sich ändernden Vorschriften besonders relevant ist. Wie sich LMS und Content in einem Projekt verbinden lassen, beschreibt unser Beitrag LMS inklusive E-Learning-Content.
imc Learning Suite
Die imc AG mit Sitz in Saarbrücken gehört zu den bekanntesten deutschen LMS-Herstellern. Die Learning Suite richtet sich an große Organisationen mit vielen Standorten, Mandanten und Rollen. Unternehmen schätzen den deutschen Hintergrund des Anbieters und den Funktionsumfang. Dem steht ein höherer Einführungsaufwand gegenüber, der für kleinere Belegschaften oft überdimensioniert ist.
SAP SuccessFactors Learning
Für Konzerne, die ihr Personalmanagement bereits mit SAP SuccessFactors abbilden, ist das Lernmodul naheliegend. Qualifikationen, Stellenprofile und Lernpfade greifen ineinander. Die Plattform liefert jedoch keine fertigen didaktischen Inhalte für Ihre internen Prozesse. Diese müssen separat produziert und eingebunden werden, meist über den Standard SCORM.
Cornerstone
Cornerstone kombiniert Lern- und Talentmanagement und ist bei internationalen Konzernen mit sehr großen Belegschaften verbreitet. Die Stärke liegt in Skalierung, Mehrsprachigkeit und Auswertungen. Für den Mittelstand ist die Lösung häufig umfangreicher als nötig.
Docebo
Docebo setzt stark auf KI-Funktionen und auf das sogenannte Extended Enterprise, also Schulungen für Kunden, Händler und Partner neben der eigenen Belegschaft. Die Plattform ist international ausgerichtet. Unternehmen sollten bei der Prüfung genau klären, wo die Daten gehostet werden und welche Inhalte auf Deutsch verfügbar sind.
360Learning
360Learning verfolgt den Ansatz des kollaborativen Lernens: Fachexpertinnen und -experten im Unternehmen erstellen Kurse selbst, Kolleginnen und Kollegen kommentieren und verbessern sie. Das funktioniert gut für Produktwissen und interne Abläufe. Für rechtssichere Pflichtunterweisungen braucht es zusätzlich geprüfte Inhalte.
TalentLMS
TalentLMS ist für einen schnellen Einstieg gemacht und wird häufig von kleineren Unternehmen eingesetzt. Die Bedienung ist einfach, die Einrichtung dauert wenige Tage. Bei komplexen Rollenmodellen, mehreren Gesellschaften oder tiefer Integration in bestehende HR-Systeme stößt die Lösung eher an Grenzen.
Moodle und ILIAS
Moodle ist weltweit eines der verbreitetsten Open-Source-LMS, ILIAS ist vor allem an deutschen Hochschulen und in der öffentlichen Verwaltung im Einsatz. Beide Systeme kosten keine Lizenzgebühren und lassen sich stark anpassen. Der Aufwand verschiebt sich jedoch: Hosting, Sicherheitsupdates, Plugin-Pflege, Datenschutzdokumentation und Anwenderbetreuung müssen intern oder über einen Dienstleister organisiert werden. Einen breiteren Marktüberblick mit weiteren Systemen bietet unser Vergleich Learning Management Systeme in Deutschland.
Pflichtschulungen, Compliance und IT-Sicherheit: Was die Plattform leisten muss
Für die meisten Unternehmen ist die Lernplattform zunächst ein Werkzeug, um gesetzliche und regulatorische Schulungspflichten nachweisbar zu erfüllen. Daraus ergeben sich konkrete Anforderungen, die über eine schöne Oberfläche hinausgehen.
Arbeitsschutz: Nach § 12 Arbeitsschutzgesetz muss der Arbeitgeber die Beschäftigten während ihrer Arbeitszeit ausreichend und angemessen unterweisen, bei Bedarf wiederholt. Die Plattform sollte deshalb wiederkehrende Fälligkeiten automatisch zuweisen, Erinnerungen versenden und den Abschluss revisionssicher dokumentieren.
Informationssicherheit: Die europäische NIS2-Richtlinie verlangt von betroffenen Einrichtungen unter anderem Schulungen zur Cybersicherheit und grundlegende Verfahren der Cyberhygiene. Leitungsorgane müssen selbst an Schulungen teilnehmen, und den Beschäftigten sollen regelmäßig vergleichbare Schulungen angeboten werden. Für IT-Sicherheitsbeauftragte heißt das: Kursinhalte müssen aktuell bleiben, und Auswertungen sollten zeigen, welche Abteilungen ihre Schulungen abgeschlossen haben. Phishing-Simulationen werden meist über spezialisierte Security-Awareness-Werkzeuge durchgeführt; prüfen Sie, ob sich deren Ergebnisse mit den Lernnachweisen im LMS zusammenführen lassen.
KI-Kompetenz: Seit dem 2. Februar 2025 gilt Artikel 4 der europäischen KI-Verordnung. Anbieter und Betreiber von KI-Systemen müssen Maßnahmen ergreifen, damit ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenz verfügt. Wer Mitarbeitende mit KI-Werkzeugen arbeiten lässt, braucht dafür passende Schulungsinhalte und einen Nachweis über deren Durchführung.
Onboarding: Neue Mitarbeitende sollen ab dem ersten Tag strukturiert lernen. Dafür braucht die Plattform Lernpfade, die sich automatisch nach Rolle, Standort oder Abteilung zuweisen, idealerweise über eine Schnittstelle zum HR-System.
Daraus ergibt sich eine Funktionsliste, die Sie jedem Anbieter vorlegen können:
- automatische Zuweisung nach Rolle, Standort und Fälligkeit
- Erinnerungen und Eskalation an Führungskräfte
- Zertifikate und revisionssichere Teilnahmenachweise
- Auswertungen nach Organisationseinheit, Kurs und Zeitraum
- Mehrsprachigkeit von Oberfläche und Inhalten
- Unterstützung der Standards SCORM und xAPI
- Single Sign-on und Schnittstellen zu HR-Systemen
- mobile Nutzung, auch für Beschäftigte ohne festen PC-Arbeitsplatz
Mittelstand oder Konzern: Welche Plattform zu welcher Größe passt
Die Unternehmensgröße entscheidet stärker über die richtige Lösung als jede Funktionsliste.
Mittelständische Unternehmen mit einigen Hundert bis rund 1.500 Mitarbeitenden haben selten ein eigenes Learning-Team. Die Personalentwicklung organisiert Pflichtschulungen häufig neben vielen anderen Aufgaben. Hier zählt, dass die Plattform einfach zu verwalten ist, die wichtigsten Pflichtinhalte bereits enthält und Nachweise automatisch erzeugt. Ein Komplettanbieter oder ein schlankes Cloud-LMS mit fertigem Content passt meist besser als eine Enterprise-Suite.
Unternehmensgruppen mit mehreren Tausend Mitarbeitenden und Standorten stehen vor anderen Fragen: einheitliche Schulungsqualität an allen Standorten, Mandantenfähigkeit für mehrere Gesellschaften, Rollenmodelle und eine Einbindung in bestehende HR- und IT-Landschaften. Hier kommen Enterprise-Suiten, große LMS-Hersteller und Komplettanbieter mit eigener Plattform infrage. Entscheidend ist, ob die Inhalte mitwachsen: Eine Plattform für 3.000 Mitarbeitende ist schnell eingerichtet, 40 aktuelle, verständliche Kurse für alle Zielgruppen sind es nicht.
Internationale Organisationen brauchen zusätzlich mehrsprachige Inhalte, Zeitzonen-unabhängige Lernangebote und Auswertungen über Länder hinweg. Prüfen Sie, ob der Anbieter Übersetzungen nur für die Oberfläche oder auch für Videos, Sprechertexte und Tests liefert.
Kosten und Lizenzmodelle im Vergleich
Feste Listenpreise veröffentlichen viele Anbieter von Unternehmens-LMS nicht, weil die Kosten von Nutzerzahl, Funktionsumfang, Hosting und Inhalten abhängen. Auch Thinkmedia erstellt Angebote individuell nach Umfang der Lernlösung. Für Ihre Budgetplanung sind deshalb die Lizenzmodelle wichtiger als einzelne Zahlen.
| Modell | So funktioniert es | Typisch bei | Darauf sollten Sie achten |
|---|---|---|---|
| Pro aktivem Nutzer | Abgerechnet wird, wer im Zeitraum tatsächlich lernt | Cloud-LMS, z. B. für kleinere Teams | Schwankende Kosten bei Kampagnen wie jährlichen Pflichtschulungen |
| Pro registriertem Nutzer | Jeder angelegte Account kostet, unabhängig von der Nutzung | Enterprise-Suiten | Inaktive Accounts regelmäßig bereinigen |
| Staffel- oder Paketpreise | Festpreis für eine Nutzerspanne | Mittelstands-Angebote | Kosten beim Überschreiten der Staffel |
| Open Source | Keine Lizenz, aber Hosting, Wartung und Support | Moodle, ILIAS | Interne Personalkosten und Sicherheitsupdates einrechnen |
| Projekt plus Betrieb | Einmalige Entwicklung von Plattform und Inhalten, danach laufende Service- und Hostinggebühren | Komplettanbieter wie Thinkmedia | Umfang von Updates und Support vertraglich festlegen |
Die größte Kostenposition ist selten die Lizenz. Ins Gewicht fallen die Produktion und Pflege der Inhalte, die Einführung, die interne Administration und, bei Präsenzschulungen, Reise- und Ausfallzeiten. Rechnen Sie deshalb immer die Gesamtkosten über drei bis fünf Jahre und stellen Sie ihnen die eingesparten Präsenzschulungen und die kürzere Einarbeitungszeit gegenüber.
Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt, warum: Wenn 1.200 Mitarbeitende jährlich eine einstündige Präsenzunterweisung besuchen, entstehen neben den Trainerkosten 1.200 Arbeitsstunden plus Wege und Organisation. Eine digitale Unterweisung, die in 30 Minuten absolviert wird, halbiert allein die Lernzeit und entfällt bei der Raum- und Terminplanung vollständig. Die konkreten Werte hängen von Ihren Lohnkosten und Standorten ab, die Logik gilt für nahezu jedes Unternehmen.
Datenschutz, NIS2 und ISO 27001: Was Sie prüfen sollten
Eine Lernplattform verarbeitet personenbezogene Daten: Namen, Abteilungen, Lernstände, Testergebnisse. Damit gelten die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung. Betreibt ein externer Anbieter die Plattform, verlangt Artikel 28 DSGVO einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, der unter anderem die technischen und organisatorischen Maßnahmen beschreibt.
Klären Sie mit jedem Anbieter vor Vertragsschluss:
- Hosting-Standort: Werden die Daten in Deutschland oder in der EU gespeichert? Gibt es Unterauftragnehmer außerhalb der EU?
- Zertifizierungen: Lassen Sie sich Nachweise über das Informationssicherheitsmanagement des Anbieters und seines Rechenzentrums vorlegen, etwa eine ISO-27001-Zertifizierung.
- Rollen und Rechte: Wer darf Lernergebnisse einzelner Personen sehen? Häufig wird vereinbart, dass Führungskräfte nur Abschlüsse, aber keine einzelnen Testergebnisse einsehen.
- Mitbestimmung: Weil eine Lernplattform das Verhalten von Beschäftigten erfassen kann, ist der Betriebsrat in der Regel frühzeitig einzubinden. Klären Sie die Ausgestaltung mit Ihrer Rechtsabteilung oder Ihrem Datenschutzbeauftragten.
- Löschkonzept: Wie lange werden Nachweise aufbewahrt, und wie werden Daten ausgeschiedener Mitarbeitender gelöscht?
- Nachweise für Audits: Lassen sich Schulungsquoten als Bericht exportieren, um sie im Rahmen von ISO-27001-Audits oder NIS2-Prüfungen vorzulegen?
Für Unternehmen, die unter die NIS2-Pflichten fallen, ist die Lernplattform selbst Teil der Lieferkette. Die Sicherheit Ihres Schulungsanbieters gehört deshalb in Ihre Lieferantenbewertung.
In sechs Schritten zum passenden Anbieter
- Ziele festlegen: Geht es vor allem um Pflichtschulungen, um Onboarding, um Vertriebswissen oder um eine komplette Unternehmensakademie? Aus den Zielen ergibt sich, welche Inhalte Sie brauchen.
- Inhalte klären: Prüfen Sie, welche Kurse bereits vorhanden sind, welche als Standard eingekauft werden können und welche individuell entwickelt werden müssen. Hier entscheidet sich oft, ob ein reines LMS oder ein Komplettanbieter sinnvoller ist.
- Zielgruppen beschreiben: Anzahl, Sprachen, Standorte, Arbeitsplätze mit und ohne PC. Gewerbliche Mitarbeitende in der Produktion lernen anders als Teams in der Verwaltung.
- Integration prüfen: Benötigen Sie Single Sign-on, eine Schnittstelle zum HR-System oder den Import bestehender SCORM-Kurse?
- Gesamtkosten vergleichen: Holen Sie Angebote über drei bis fünf Jahre ein, inklusive Inhalten, Einführung, Support und Updates.
- Pilot durchführen: Testen Sie die Plattform mit einer realen Zielgruppe und einem echten Pflichtkurs. Die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden ist der verlässlichste Indikator für den späteren Erfolg.
Weitere Systeme mit ihren Stärken und Schwächen stellt unser Beitrag Lernplattformen im Vergleich vor.
Unsere Sicht: Eine Plattform ist nur so gut wie ihre Inhalte
In über 2.000 Projekten haben wir eine Beobachtung immer wieder gemacht: Unternehmen investieren viel Zeit in die Auswahl der Software und unterschätzen, was danach kommt. Das LMS ist nach wenigen Wochen eingerichtet. Dann stellt sich die eigentliche Frage: Welche Kurse laufen darauf, wer erstellt sie, und wer hält sie aktuell, wenn sich Vorschriften, Produkte oder Prozesse ändern?
Wir sehen deshalb drei Muster, die über den Erfolg einer Lernplattform entscheiden. Erstens müssen Inhalte verstanden werden. Eine Pflichtschulung, die nur abgehakt wird, erfüllt vielleicht die Dokumentationspflicht, verändert aber kein Verhalten. Praxisnahe Szenarien, Storytelling und kurze Microlearning-Einheiten wirken nach unserer Erfahrung deutlich besser als lange Folienpräsentationen. Zweitens braucht es einen zentralen Ansprechpartner. Wenn Softwarehersteller, Content-Agentur, Videoproduktion und Hosting-Dienstleister getrennt beauftragt werden, landen die Schnittstellenprobleme bei der Personalentwicklung. Drittens muss die Lösung auf Dauer angelegt sein. Mit KI-gestützter Inhaltserstellung können wir Kurse heute deutlich schneller aktualisieren und übersetzen als noch vor wenigen Jahren, und genau diese Pflege entscheidet darüber, ob eine Plattform nach drei Jahren noch genutzt wird.
Unser Rat an Geschäftsführung und HR: Beginnen Sie bei den Lernzielen und den Inhalten, nicht bei der Software. Wer weiß, was die Mitarbeitenden am Ende können sollen, findet den passenden Anbieter deutlich schneller.
— Sebastian Burmester
Lernplattform und Schulungsinhalte von Thinkmedia
Thinkmedia begleitet Unternehmen, Behörden und Organisationen von der ersten Idee über Konzeption und Produktion bis zum Hosting und Betrieb der Lernplattform. Sie erhalten interaktive E-Learnings, Erklärfilme und eine zentral verwaltete Plattform mit Zertifikaten und Reporting, angepasst an Ihre Unternehmensvorgaben.
Für den schnellen Start in Pflichtthemen bietet die Thinkmedia Online-Akademie fertige Kurse zu Datenschutz, IT-Sicherheit, Arbeitsschutz, Compliance, KI-Compliance, ESG und Onboarding. Wenn Sie vor allem gesetzliche Unterweisungen digitalisieren möchten, finden Sie alle Details zu digitalen Unterweisungen und Pflichtschulungen. Sprechen Sie uns an, wir erstellen Ihnen ein individuelles Angebot.
Häufige Fragen
Was ist die beste Lernplattform für Unternehmen?
Eine beste Plattform für alle gibt es nicht. Konzerne mit SAP-Landschaft profitieren oft von SAP SuccessFactors Learning, kleinere Teams von schlanken Cloud-Lösungen wie TalentLMS. Wer Plattform, Pflichtinhalte und individuelle Kurse aus einer Hand benötigt, ist mit einem Komplettanbieter wie Thinkmedia gut beraten.
Gibt es kostenlose Lernplattformen für Unternehmen?
Moodle und ILIAS sind als Open-Source-Software ohne Lizenzgebühren nutzbar. Kostenlos im Betrieb sind sie jedoch nicht: Hosting, Sicherheitsupdates, Anpassungen, Support und vor allem die Inhalte verursachen Aufwand. Für Unternehmen ohne eigene IT-Kapazitäten ist das oft teurer als eine betreute Lösung.
Was kostet eine Online-Schulung?
Das hängt davon ab, ob Sie einen Standardkurs lizenzieren oder einen individuellen Kurs entwickeln lassen. Standardkurse werden meist pro Teilnehmendem oder als Paket abgerechnet, individuelle E-Learnings nach Umfang, Interaktivität und Videoanteil. Thinkmedia erstellt dafür ein Angebot auf Basis Ihres konkreten Bedarfs.
Welche Beispiele gibt es für Blended Learning?
Typisch ist die Kombination aus E-Learning und Präsenztermin: Mitarbeitende eignen sich Grundlagen digital an und vertiefen sie anschließend in einem Workshop oder einer praktischen Unterweisung vor Ort. Im Arbeitsschutz etwa folgt auf den digitalen Theorieteil die Einweisung an der Maschine. So nutzen Unternehmen das Beste aus beiden Welten.
Wie lange dauert die Einführung einer Lernplattform?
Ein Cloud-LMS mit Standardinhalten lässt sich in wenigen Wochen produktiv nutzen. Enterprise-Projekte mit HR-Integration, mehreren Gesellschaften und individuell entwickelten Kursen dauern deutlich länger. Planen Sie zusätzlich Zeit für die Abstimmung mit Betriebsrat und Datenschutz ein.
Quellen
- Presseportal: Deutscher Bildungs-Award 2024/2025, ausgezeichnete LMS-Anbieter
- § 12 Arbeitsschutzgesetz: Unterweisung
- Richtlinie (EU) 2022/2555 (NIS2)
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung)
- Verordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung)

